Sachspendenvermittlung zwischen Industrie & NGOs

Hintergrund

Gebrauchsfähige Produkte auf den Müll

Mülltonne

Täglich werden von Industrie und Handel einwandfrei gebrauchsfähige Non-Food Produkte für den Verkauf gesperrt bzw. vernichtet. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein, beispielsweise Fehler in der Produktion wie falsche Etikettierung oder die Unterschreitung der gesetzlichen Mindestfüllmenge, Änderungen im Layout, übrig gebliebene Kontingente aus Sonderaktionen, ein Sortimentswechsel und vieles mehr. In Österreich können jedes Jahr rund 1.600 Tonnen (+/- 650 Tonnen) an Körperpflege- sowie Wasch- und Reinigungsprodukten von den Herstellern nicht verkauft werden. Zusätzlich schreibt der Handel jährlich ca. 800 Tonnen (+/- 2 %) Waren im Wert von ca. 30 Millionen Euro ab (Studie Österreichisches Ökologie Institut und pulswerk, September 2017).

Die Möglichkeit des Spendens dieser Produkte an gemeinnützige Organisation wird seitens der Unternehmen aufgrund des hohen logistischen und auch finanziellen Aufwands oft nicht in Betracht gezogen. Durch die Lagerung und/oder Entsorgung der Produkte entstehen den Unternehmen Kosten. Die Vernichtung dieser Produkte schadet der Umwelt einerseits durch die widersinnige Ressourcenverschwendung und andererseits durch ein unnötiges Abfallaufkommen.

Soziale Bedürftigkeit und Armutsgefährdung

Für viele Menschen ist es nicht selbstverständlich, grundlegende Produkte des täglichen Bedarfs jederzeit kaufen zu können. Im Jahr 2016 waren in Österreich 14,1 % der Bevölkerung armutsgefährdet, was ca. 1,2 Millionen Menschen entspricht (Statistik Austria: Einkommen, Armut, Lebensbedingungen; 2017). In Wien sind knapp 20 % der EinwohnerInnen armutsgefährdet. Relative Armut und soziale Bedürftigkeit steigen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Armutsminderung ist sowohl international als auch national ein wesentliches Ziel der Politik. Armut ist u. a. auch ein Verteilungsproblem, sowohl von Einkommen als auch physischen Produkten. Immer mehr Menschen sind neben staatlichen Leistungen auch auf Unterstützung durch gemeinnützige Organisationen angewiesen. Die NGOs kämpfen ihrerseits teils mit unzureichenden Budgets und Ausstattungen. Sachspenden sind ein Mittel, die oft schwierige finanzielle Situation der Organisationen und betroffenen Menschen zu verbessern.

Die Umwelt

Pflänzchen

Die Fairmittlerei bietet eine vorteilhafte Lösung für alle Seiten an, die nicht zuletzt auch für die Umwelt positive Effekte hat, denn Produkte werden tatsächlich verwendet und nicht als Abfall entsorgt. Denn Abfallvermeidung ist der oberste Grundsatz der mehrstufigen Hierarchie in der europäischen und auch österreichischen Abfallpolitik.

Alle Produkte benötigen bei Herstellung, Vertrieb und Konsum unterschiedlichste Rohstoffe und Energie und weisen teils lange Transportwege auf – sie verursachen diverse Umwelteinwirkungen. Wenn die Produkte ohne Gebrauch weggeworfen werden, hat dies wieder negative Auswirkung auf unsere Umwelt, ohne dass jemals irgendein Nutzen aus den Produkten generiert wurde.

 

Österreichisches Ökologie Institut und pulswerk “Die Fairmittlerei – verwenden statt verschwenden”; Studie, September 2017, Wien. 

Fachhochschule Oberösterreich/Campus Linz “Marktanalyse für die Fairmittlerei bezogen auf Bedarfe, Liefer- und Bestellprozesse der Endkunden”; Studie, Juni 2017, Linz.