Gemeinsam Stark – Freiwilligenmanagement in der Fairmittlerei

Genauso wie viele andere NGOs ist auch die Fairmittlerei als gemeinnützige Organisation auf die Unterstützung von freiwilligen Mitarbeiter*innen angewiesen. Die vielen Vorteile stechen dabei deutlich hervor und machen das gemeinsame Arbeiten zu einem fruchtbaren und vielseitigen Erlebnis, aus dem immer wieder neue Ideen und Projekte entstehen. Welche Besonderheiten das freiwillige Arbeiten bei der Fairmittlerei mit sich bringt und welche Aspekte unbedingt zu beachten sind, wird im Folgenden näher beleuchtet. 

 

Als gemeinnützige Organisation setzt sich die Fairmittlerei seit 2016 für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement und die faire Verteilung von Non-Food-Produkten ein. Dabei übernimmt sie zwischen Unternehmen und NGOs eine wichtige Vermittlerposition und treibt den Gedanken eines nachhaltigen Wirtschaftens voran. Die vielfältigen und damit verbundenen Aufgaben können nur durch ein engagiertes und gut zusammen arbeitendes Team bewerkstelligt werden. Bei der Fairmittlerei sind es vor allem die vielen freiwilligen Mitarbeiter*innen, die wesentlich zum Erfolg beitragen und ihr ganz spezielles Know-How sowie ihre jeweiligen Fähigkeiten in die Organisation mit einbringen. Wir möchten euch zeigen, welche Besonderheiten, aber auch Schwierigkeiten das vorwiegende Arbeiten mit Freiwilligen mit sich bringt und haben uns hierzu mit Ingrid Pranger unterhalten, die für die Organisationsentwicklung der Fairmittlerei zuständig ist.  
 
 

Freiwillige bringen Diversität

 
Der wohl größte Vorteil, der ein schwerpunktmäßiges Arbeiten mit freiwilligen Mitarbeiter*innen bietet, sind sicherlich die vielen Erfahrungen, die diese mitbringen. Ingrid Pranger berichtet: “Das schöne bei unseren Freiwilligen ist, dass sie aus so vielen unterschiedlichen Bereichen kommen, unterschiedliche Ausbildungen abgeschlossen haben und bei uns ganz gezielt ihr spezifisches Know-How einbringen können.” Gerade diese Diversität führt häufig zur Entstehung von neuen Ideen und fördert die Weiterentwicklung der Fairmittlerei. Anders als bei anderen Unternehmen, wo die Mitarbeiter*innen nach ganz spezifischen Fähigkeiten und abgeschlossenen Ausbildungen ausgesucht werden, spielt hierbei lediglich das Interesse und die Motivation bei der Fairmittlerei mitzuwirken eine wesentliche Rolle. Unterstützend wirkt zudem der Trend nach einer immer nachhaltigeren und ökologischeren Wirtschaftsweise, die sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht und viele Menschen zum Umdenken bewegt. “Immer mehr Menschen möchten sich nicht nur privat mit Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und einer ressourcenschonenden Lebensweise beschäftigen, sondern aktiv ihren Beitrag dazu leisten”, erklärt Ingrid Pranger. Die Fairmittlerei vereint die vielen unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit und stellt deshalb für viele eine Möglichkeit dar, sich auch neben dem Berufsleben zu engagieren und gemeinnützig tätig zu werden. 
 
 

Fokus auf Selbstständigkeit

 
Fragt man Ingrid Pranger, was wohl das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal der Fairmittlerei zu anderen NGOs bei der Auswahl der freiwilligen Mitarbeiter*innen ist, so fällt die Antwort definitiv auf den Aspekt der Selbstständigkeit: “Wenn sich jemand freiwillig bei der Fairmittlerei engagieren möchte, dann schreiben wir in der Regel nicht vor, welche Aufgabe er/sie übernehmen soll. Viele Interessierte wissen ohnehin, bei welchen Themen und Arbeitsbereichen sie mitarbeiten und ihre Erfahrungen einbringen möchten. Es ist aber auch möglich, Neues auszuprobieren und seine Skills und Kompetenzen in unterschiedlichen Teams zu erweitern.” 
 
Das bedeutet, dass bei der Fairmittlerei – verglichen mit anderen NGOs – nur selten konkrete Stellenprofile für freiwillige Mitarbeiter*innen formuliert werden, sondern dass der/dem Freiwilligen sehr viele Spielräume und Möglichkeiten bleiben. “Natürlich müssen wir auch berücksichtigen, wo wir gerade Unterstützung brauchen. Trotzdem haben wir gemerkt, dass auf diese Art und Weise die Freiwilligen am Besten ihr Potenzial entfalten können.” Dieser Ansatz ermöglicht das Ausprobieren von Tätigkeiten durch die Mitarbeiter*innen, wodurch jemand der im Berufsalltag zum Beispiel in der Buchhaltung arbeitet, auch Erfahrungen im Social Media Team sammeln kann und umgekehrt. Zentral ist hierbei erneut das Engagement und die Lust am Mitwirken und Vorantreiben der Idee der Fairmittlerei. 
 
Die geforderte Selbstständigkeit der freiwilligen Mitarbeiter*innen gewinnt auch hinsichtlich der genauen Koordination der Teams und Aufgaben an Wichtigkeit. Denn fast alle der Freiwilligen befinden sich in einem aktiven Angestelltenverhältnis und haben nur begrenzt Zeit, um die anfallenden Aufgaben erledigen zu können. Aus diesem Grund ist einerseits ein hohes Maß an Eigenorganisation von den Mitarbeiter*innen gefordert und andererseits ein hohes Maß an Teamkoordination von den Teamleiter*innen. Gerade die begrenzte zeitliche Verfügbarkeit ist eine große Herausforderung in der Freiwilligenarbeit und –koordination. Das bedeutet, dass gerade bei der hohen Anzahl an freiwilligen Mitarbeiter*innen die Arbeitseinteilung ein hohes Maß an Disziplin und Organisation bedarf. 
 
Für manche kann der hohe Grad an Selbstbestimmtheit zu Schwierigkeiten führen: “Natürlich gibt es immer wieder auch Mitarbeiter*innen, die mit dieser Selbstständigkeit nicht umgehen können und mehr Führung benötigen würden. Diese sind dann eben nur kurz dabei. Alle anderen bleiben dafür umso länger, entwickeln immer wieder neue Ideen, lernen beständig dazu und leben sich in der Selbstständigkeit aus.” 
 
 

Zunehmende Individualisierung 

 
Grundsätzlich ist beim freiwilligen Engagement der Trend zu erkennen, dass es öfters zu einem Wechsel der Organisation und zu einer kürzeren Verbleibdauer kommt: “Früher war man jahre- wenn nicht jahrzehntelang beim gleichen Verein, bei der Freiwilligen Feuerwehr, beim Fußball usw.. Heutzutage geht der Trend eher dahin, dass ein Wechsel der Lebensumstände (z.B. neuer Job, Wohnortwechsel, Heirat, Familie) häufig auch zu einer Beendigung der freiwilligen Tätigkeit führt.” Zwar führt die zunehmende (und durch COVID-19 beschleunigte) Digitalisierung dazu, dass die freiwillige Tätigkeit unabhängig vom Wohnort ausgeübt werden kann, trotzdem fühlen sich viele nicht mehr jahrelang zu einem Verein verpflichtet. Dieser raschere Wechsel benötigt ein etabliertes Freiwilligenmanagement, um die Teams zu stabilisieren und die fristgerechte Erledigung der Aufgaben zu sichern, denn unsere Kunden erwarten von uns eine professionelle Umsetzung unserer Dienstleistungen. Gleichzeitig ergibt es sich dadurch aber auch, dass immer wieder neue Gesichter, mit neuen Erfahrungswelten und Fähigkeiten Teil des Fairmittlerei-Teams werden und dazu beitragen, dass sich die Fairmittlerei immer wieder neu erfindet. Denn eines ist klar, in der heutigen Zeit: Stillstand ist nicht der Weg zum Ziel! 
 
 

Wieso freiwilliges Engagement bei der Fairmittlerei?

 
Alle Mitarbeiter*innen sind davon überzeugt: Das Teamgefühl in der Fairmittlerei ist einzigartig und auch die andauernde Corona-Krise kann dem nicht entgegenwirken. “Anstelle unseres regelmäßigen Stammtischs, bei dem wir uns gemütlich zusammengesetzt und ein Bier getrunken haben, veranstalten wir diesen nun einfach online. Dies hat zwar den Nachteil, dass man sich nicht mehr persönlich gegenüber sitzt, tut aber der Freude am gemeinsamen Austausch keinen Abklang.” Es zeigt sich, dass vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Überzeugung, gemeinsam etwas bewirken zu können, den wichtigen Nährboden für eine konstruktive Zusammenarbeit schaffen. Nur dadurch ziehen alle – Freiwillige und fest Angestellte – an einem Strang und machen die Fairmittlerei zu dem was sie ist. Mit einer zusätzlichen Portion Selbstbestimmtheit gelingt es zudem, dass alle ihre Fähigkeiten einbringen können und so mancher noch ganz unentdeckte Potenziale entfaltet. Ingrid Pranger schlussfolgert: “Natürlich gibt es auch bei uns Aufgaben, die scheinbar nicht so beliebt sind. So bräuchten wir zum Beispiel noch ganz dringend Unterstützung beim Schreiben von Anträgen. Aber grundsätzlich sind wir sicherlich auf dem richtigen Weg.

 

Lust bekommen mitzuarbeiten? Dann schreibt uns an office@diefairmittlerei.at und gebt uns ein paar Informationen zu eurem beruflichen Hintergrund und warum ihr gerne Teil der Fairmittlerei sein würdet. Wir freuen uns über eure Unterstützung! 

 

Text: Julia McFadden

Elvira Moling

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